Bolivien: Die Minen von Potosí

Eingang zu einer typischen Mine im Cerro Rico in Potosí.
Potosí liegt zwischen 3976 m und 4070 m Höhe und gilt damit als höchstgelegene Hauptstadt der Welt. Die Einwohner von Potosí leben seit Gründung der Stadt fast ausschließlich vom Bergbau. Daran hat sich bis heute nichts geändert und auch die Arbeitsbedingungen unter denen die Mineros in Potosí schuften wirken wie aus längst vergangenen Zeiten. Für Touristen ist es möglich die Minen zu besichtigen und einen Einblick in die schwere Arbeit der Mineros zu erlangen. Eine derartige Tour ist für viele Bolivien-Reisende eines der prägendsten, interessantesten und auch erschütterndsten Erlebnisse auf ihrer Reise.
Geschichte von Potosí
Bereits die Inka sollen am Cerro Rico (4830 m) (auf Quechua Sumaj Orcko = “Heiliger Berg”), dem alles bestimmenden Berg von Potosí in Bolivien, Silber gefördert haben. 1545 soll der Indio Diego Huallpa auf der Suche nach entlaufenen Lamas einem Irrlicht gefolgt und so auf eine Silbermine gestoßen sein. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Ausbeutung des Berges in großem Stil von den spanischen Besatzern vorangetrieben. Am 10. April 1554 wurde die Stadt Potosí gegründet. Ganze Dörfer von Hochlandbewohnern wurden zur Arbeit in den Silberminen gezwungen. Millionen von indianischen Zwangsarbeitern schufteten sich zu Tode.
1553 wurde Potosí von Kaiser Karl V. zur Villa Imperial erhoben und trug von nun an den kaiserlichen Doppeladler im Wappen. Der Reichtum lockte unvorstellbare Menschennmassen in die Stadt und bereits 1573 zählte Potosí 120.000 Einwohner. 1650 hatte Potosí mit nahezu 160.000 Einwohnern eine größere Bevölkerung als Madrid, Paris oder Rom zu dieser Zeit. Damit war Potosí die größte Stadt des amerikanischen Doppelkontinents und eine der größten Städte der Welt. Die Stadt soll eine einzige Pracht gewesen sein, mit vergoldeten Kirchen, edlen Stadtpalästen, Straßenpflastern aus Silber und unzähligen Schanklokalen.
Die Kassen der spanischen Besatzer waren leer und Potosí avancierte zur Schatzkammer. Die Gier stieg ins unermessliche. Bis 1660 wurden aus dem Cerro Rico 16.000 Tonnen Silber herausgeholt, bis heute über 46.000 Tonnen.
Im 18. Jahrhundert war der Berg so gut wie ausgebeutet und die Silberadern versiegten. Damit kam der Absturz Potosís in die Bedeutungslosigkeit und die Zahl der Einwohner sank unter 10.000. Erst als Zinn wertvoller wurde, begann ein erneuter Aufschwung der Stadt mit dem Abbau von Zinnerz, der um 1913 seinen Höhepunkt fand. 1952 wurden die Zinnminen verstaatlicht und die staatliche Gesellschaft COMIBOL (Corporación Minera de Bolivia) wurde gegründet. Nach dem großen Zusammenbruch des Zinnmarktes 1986 privatisierte Bolivien die Minen wieder Stück für Stück.
Noch heute lebt Potosí vom Bergbau. Der Cerro Rico ist inzwischen durchlöchert wie ein Schweizer Käse und wird stückweise gesprengt. In erster Linie werden Zinn und Zink abgebaut, doch erst viele Tonnen Gestein ergeben einige Kilogramm Erz.
Arbeitsbedingungen in den Minen von Potosí
Bei den Zwangsarbeitern im 16. und 17. Jahrhundert galt Potosí als “Eingang zur Hölle”. Bis zum 18. Jahrhundert sollen bis zu 8 Millionen Indigenas den Tod gefunden haben. Wenn sie nicht durch Unfälle in den Stollen starben, erlagen sie früher oder später den unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Nicht nur die knochenharte Arbeit in einer Höhe von über 4000 m machte vielen zu schaffen, sondern Staub, Asbest und giftige Dämpfe in den Minen ließen die Arbeiter tödlich erkranken. Zudem wurde Quecksilber als Scheidemittel eingesetzt, was häufig Vergiftungen mit tödlichem Ausgang zur Folge hatte. Der geplante Einsatz von schwarzen Sklaven scheiterte aufgrund der dünnen Luft und des geringen Sauerstoffgehalts in über 4000 m Höhe. Die schwarzen Sklaven, die derartige Höhen nicht gewohnt waren, starben bereits bevor sie für die Arbeit in den Stollen eingesetzt werden konnten.
Bis heute haben sich die Arbeitsbedingungen kaum geändert. Sie sind in keinster Weise mit den Arbeitsbedingungen in Europa zu vergleichen. Noch immer stirbt im Durchschnitt ein Minenarbeiter pro Tag. Davon 70% an Staublunge, 30% an Unfällen innerhalb der Minen, wie etwa Explosionen. Die meisten Arbeiter haben außer einem Helm keine Schutzkleidung. Atemmasken sieht man keine und nur sehr wenige tragen zum Schutz ein Tuch vor dem Mund, da dieses aufgrund der großen Höhe und dem damit verbundenen niedrigen Sauerstoffgehalt das Atmen noch zusätzlich erschwert und auch die Hitze in den Stollen und die damit verbundene stickige Luft veranlassen die meisten Mineros dazu, sich das Atmen nicht noch durch ein Tuch vor Mund und Nase zu erschweren. So sind sie noch immer schutzlos Staub, Asbest und giftigen Gasen wie Arsengas, Schwefeldämpfen oder Grubengas ausgesetzt.
Im Schnitt dauert es etwa 10 Jahre bis ein Minero tödlich erkrankt, wenn er regelmäßig in den Minen arbeitet. Die Durchschnitttliche Lebenserwartung eines Mineros beträgt 40-50 Jahre. Auch Kinderarbeit ist in den Minen von Potosí nichts ungewöhnliches und wird selbst vor den Touristen in keinster Weise versteckt. Zwar ist Kinderarbeit in Bolivien offiziell verboten, doch in den Minen von Potosí herrschen andere Gesetze. So arbeiten noch heute über 700 Kinder von 9-14 Jahren oder sogar noch jünger in den Minen von Potosí.
Potosí und seine Minen
Die Mineros arbeiten entweder für COMIBOL, im Verbund von Bergbau-Koopertiven oder als private Mineros. Die ganze Stadt ist mit dem Bergbau verbunden und so gibt es für die Menschen hier kaum Alternativen zum Beruf des Minenarbeiters. Viele nehmen sich vor, nur wenige Jahre in den Minen zu arbeiten und sich dann etwas anderes aufzubauen, doch aus den Gesprächen mit den Mineros wird deutlich, dass noch viele an das große Glück glauben. Nach einiger Zeit in einer Kooperativa, kann sich ein Minero selbstständig machen und sich einen eigenen Stollen suchen. Findet er dann eine Mineralienader, so gehört sie ihm. Auf diese Weise sind schon einige sehr wenige reich geworden und für die Mineros ist die Arbeit wie eine Art Lottospiel, bei dem sie jeden Tag das ganz große Los ziehen könnten. Zudem verdienen die Mineros im Vergleich zu anderen Arbeitern in Bolivien relativ gut. Diese Umstände führen dazu, dass viele Mineros nicht mehr aufhören, bis sie sterben, obwohl sie eigentlich andere Pläne hatten.
Inzwischen entwickelt sich Potosí mit seinen Minen zu einer interessanten Stadt für Touristen, so dass neben der Minenarbeit auch in der Tourismus-Branche einige alternative Berufe für die Bewohner von Potosí entstehen. Minenarbeiter, die den Absprung geschafft haben, führen Besichtigungen in den Minen durch, andere eröffnen Hostals oder Restaurants. Doch auch die Touristen kommen wohl nur solange der Bergbau weiterhin betrieben wird und somit lebt Potosí nach wie vor fast nur von seinen Minen.
Da der Berg inzwischen schon voellig durchloechert ist, schaetzen Experten, dass hier noch ca. 5-10 Jahre abgebaut werden kann. Wenn irgendwann aus dem Berg nichts mehr herauszuholen ist, wird Potosi wohl eine gigantische Geisterstadt.
Eine Tour in die Minen von Potosí
Wer eine Tour in die Minen von Potosí macht, sollte soweit höhenakklimatisiert sein, dass ihm nicht bereits nach wenigen Schritten die Puste ausgeht. Menschen mit Klaustrophobie-Ängsten oder Atemproblemen wie Asthma sowie Übergewichtige sollten von einer Besichtigung absehen, da zum Teil auf allen Vieren durch heiße, enge und staubige Gänge gekrochen werden muss.
Insgesamt gibt es am Cerro Rico inzwischen über 300 Mineneingänge. Führungen können problemlos in den vielen Reiseagenturen in Potosí gebucht werden. Hierbei können sowohl private Stollen der Minenarbeiter, als auch Minen der Cooperativas besichtigt werden.
Am besten ist es, sich verschiedene Angebote einzuholen und dann nach dem persönlichen Interesse zu entscheiden. Sinnvoll ist es darauf zu achten, einen Führer zu buchen, der früher selbst in den Minen gearbeitet hat, da diese viele unglaublich interessante Geschichten zu erzählen haben. Zudem sollte man fragen, ob man vor der Besichtigung auch eine der Verarbeitungsstätten zu sehen bekommt. An diesen erlangt man einen sehr authentischen Einblick in die Verarbeitung der Tonnen von Geröll, die die Mineros aus den Stollen bringen und in die Gewinnung der reinen Erze.
Desweiteren sollte man danach fragen, ob ein Teil der Kosten für die Minenbesichtigung den Mineos direkt zu Gute kommt, was in der Regel der Fall ist.
Nach der Besichtigung der Verarbeitungsstätte laufen die Touren meist ähnlich ab. Zunächst fährt man auf den Mercado de los Mineros. Hier kaufen die Touristen Mitbringsel für die Minenarbeiter. Für gewöhnlich handelt es sich hierbei um Kokablätter, Softdrinks, unglaublich starke Zigaretten, 96-pozentigen Alkohol und Dynamit.
Der Markt der Mineros gilt als einziger öffentlicher Markt der Welt, auf dem JEDER, egal ob Kind oder Erwachsener, Einheimischer oder Tourist, legal Dynamit kaufen kann. Hier sollte man neben den Dynamitstangen für die Mineros auch noch ein paar für die eigene Gruppe kaufen. Die Führer basteln dann nach der Minenbesichtigung Bomben für eine Demonstration der gewaltigen Sprengkraft. Dieses Spektakel sollte sich niemand entgehen lassen.
Die Kokablätter sind für die Mineros sehr wichtig, da es ohne kaum möglich ist täglich 8 Stunden unter Tage zu arbeiten. Daher sieht man in den Minen auch kaum einen Arbeiter ohne dicke Kokabacke.
Den 96-prozentigen Alkohol trinken die Mineros immer freitags zum Ausklang der Woche. Zunächst pur, später dann verdünnt mit Wasser…
Jedem, der eine Tour in die Minen macht, sollte bewusst sein, dass es kein reiner Spaß ist. Die Arbeitsbedingung sind erschütternd, insbesondere, wenn in der Mine, die man besichtigt, auch Kinder arbeiten. Zudem ist die Tour auch körperlich anstrengend und nach 2 Stunden in den Minen fühlen sich die Lunge und der ganze Körper bereits wie vergiftet an. Denn auch, wenn die Minen belüftet werden, besteht die Möglichkeit, dass in den Stollen giftige Dämpfe (z.B. Arsengas, Schwefeldämpfe oder Grubengas) eingeatmet werden. Es kann sein, dass es durch knietiefes Wasser oder durch extrem enge, zum Teil nur einmeterhohe Schächte geht. Innerhalb des Berges kann es bis zu 40° Grad betragen, wohingegen es außerhalb der Minen empfindlich kalt ist.
Eine Tour dauert in der Regel den ganzen Tag, wovon etwa 2-3 Stunden in der Mine verbracht werden. Der Touranbieter stellt Helm mit Stirnlampe sowie Hose und Jacke zum Schutz gegen Dreck. Viele bieten als zumindest geringfügigen Schutz für die Atemwege Bandanas zum Verkauf an. Wer ein eigenes Tuch oder ähnliches hat: mitnehmen. Auch eine kleine Flasche Wasser sollte man dabei haben.
Bilder einer Tour zu den Minen von Potosí
Die Minenstadt Potosí in Bolivien.
Der Cerro Rico in Potosí.
Der Mercado de los Mineros.
Hier kann jeder legal Dynamit kaufen.
Verarbeitungsstätte für das Gestein aus den Minen.
Die Mineros arbeiten schwer.
So gut wie alle Mineros haben dicke Kokabacken, da es ohne Koka kaum möglich ist jeden Tag 8 Stunden in den Minen zu arbeiten.
Am Anfang sind die Gänge noch einigermaßen breit und hoch.
Je tiefer man in die Minen vordringt, desto enger werden die Schächte.
Bei der Arbeit. Die Mineros müssen noch beinahe alles von Hand machen. Maschinen gibt es kaum.



Der Ausgang.
Aus dem Dynamit basteln die Führer kleine Bomben, um eine Demonstration der gewaltigen Sprengkraft zu geben.
Mittwoch, 20. Januar 2010 11:07
Coole sache
Montag, 25. Januar 2010 18:44
[...] in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf FranzösischWeb de la juventud potosinaMinen von Potosí – Bilder und InformationenWelterbestätten in BolivienPotosí | Jesuitenmissionen der Chiquitos | Fuerte de [...]
Freitag, 8. Oktober 2010 10:00
guter beitrag.
Ich war dort vor 2 monaten und die arbeitsbedingungen sind einfach krausam.so wie in vielen teilen südamerikas. (leider) aber ein besuch in potpsi und den minen ist absolutes pflichtprogramm, wenn man in bolivien ist.
Beste Erfahrung die ich hatte, da wir dman sehen wie gut es einem überhaupt geht.
Hasta luego arne
Montag, 14. Februar 2011 20:16
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Samstag, 28. Mai 2011 13:40
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