Peru: Chachapoyas: Kuélap

Einer der engen Zugänge in die Anlage von Kuélap.

Einer der engen Zugänge in die Anlage von Kuélap.

Von Kuélap, der beeindruckenden Festung der Chachapoya in Nordperu, sind viele Besucher so fasziniert, dass sie ihr sogar vor Machu Picchu den Vorrang geben. Auch, wenn das jeder selbst entscheiden muss, ist Kuélap dem Machu Picchu sicherlich ebenbürtig und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Die Festungsanlage Kuélap

Derzeit sind die Archäologen noch mit der Ausgrabung, Säuberung, Instandhaltung und Erforschung der Anlage beschäftigt. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht einig, ob es sich bei Kuélap überhaupt um eine Festung handelt, und falls ja, ob die Festung dauerhaft bewohnt war oder den Menschen der umliegenden Dörfer lediglich in Notfällen als Zuflucht diente.

Kuélap liegt auf dem Rücken des höchsten Berges der Gegend in etwa 3000 m Höhe. Der aus Chachapoyas stammende Richter Don Juan Crisóstomo Nieto entdeckte Kuélap eher zufällig im Jahr 1843. Der deutsche Forschungsreisende Ernst Middendorf fand anschließend noch im selben Jahr Schädel und Knochenreste.

Kuélap ist aus 100 bis 200 kg schweren Granitblöcken gebaut. Die Anlage ist von einer gewaltigen Festungsmauer mit etwa 1.5 km Länge und bis zu 21 m Höhe umgeben. Der Ruinenkomplex ist 580 m lang und bis zu 120 m breit.

Ins Innere führen lediglich drei steile Zugänge. Aus strategischen Gründen sind sie an der Basis so schmal angelegt worden, dass immer nur eine Person hindurch konnte. Nach oben werden die Gänge immer breiter, bis sie eine Breite von etwa 4 m erreichen.

Im Inneren der Anlage von Kuélap gibt es verschiedene Stadtviertel mit über 400 ovalen bis runden Steinhäusern. Die Festung besteht aus drei Ebenen, die auch als Stadtviertel bezeichnet werden können. Sie sind dem Stand der Bürger zuzuordnen. So wohnten in der obersten Ebene, wahrscheinlich der Cacique (Häuptling) und die adligen Chachapoya. Hier sind auch die meisten Häuser mit geometrischen Verzierungen, wie etwa Rauten, zu finden. In der zweiten Ebene waren wohl Militärs untergebracht, während in der untersten Ebene die gewöhnlichen Bürger in einfachen, oftmals unterkellerten, Häusern wohnten.

In vielen Häusern ist noch die Küche mit dem Mahlstein zu erkennen. Häufig ist auch ein kleiner, länglicher Gang aus Stein zu sehen, in dem vermutlich Meerschweinchen gehalten wurden, die noch heute als peruanische Spezialität gelten. Durch eine unterirdische Quelle wurde die ganze Anlage mit Wasser versorgt.

Die Chachapoya-Siedlungen bestehen in der Regel aus runden Gebäuden mit einem Durchmesser von 4 bis 12 Metern. In Kuélap wurde auch ein rechteckiges Bauwerk gefunden, das sogenannte “Castillo”. Bisher besteht noch keine Einigkeit über den Zweck des Gebäudes. Es könnte zu Versammlungen der Stammesführer und des Adels gedient haben. Vieles spricht jedoch auch dafür, dass es ein Mausoleum ist, da dort viele Gräber gefunden wurden. Viele der Mumien haben seltsamerweise blonde Haare, was den Wissenschaftlern neue Rätsel aufgibt.

Ein weiteres Rätsel für die Wissenschaftler ist “El Tintero” (das Tintenfass). Hierbei handelt es sich um einen etwa 4 m hohen, sich nach unten verjüngenden Kegelstumpf aus Stein mit etwa 12 m Durchmesser. Darunter befindet sich ein enger Eingang zu einem tiefen unterirdischen Raum. Die Funktion ist bisher unbekannt. Da im Inneren Raubtierknochen gefunden wurden, könnte es sein, dass hier Raubtiere gehalten wurden. Andere Theorien besagen, dass El Tintero als Opferstätte diente, dass er als Gefängnis, zur Folter oder für die Todesstrafe genutzt wurde oder aber, dass El Tintero ein Observatorium war. Die Theorien sind zahlreich.

Im nördlichen Teil der Anlage von Kuélap steht “El Torreón” (der Turm). Dabei handelt es sich um einen etwa 10 m hohen Aussichtsturm, von dem aus sich ein herrlicher Blick über die ganze Umgebung eröffnet. Bei schönem Wetter kann man hier auf der einen Seite bis nach Chachapoyas sehen, auf der anderen bis zum Marañón.

Die Anfahrt nach Kuélap

Für die Anfahrt nach Kuélap gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann mit einer Agentur von Chachapoyas aus fahren (ab 4 Personen ca. 8,50 Eurp pro Person inklusive dreistündiger Führung). Rund um die Plaza de Armas gibt es ausreichend Angebote. Wer will kann sich auch auf eigene Faust ein Taxi mieten (ca. 28,- Euro). Auch hier würde es sich jedoch anbieten, sich mit anderen zusammenzutun und den Preis zu teilen. Ein Guide kann problemlos vor Ort in Kuélap angeheuert werden (knapp 5,- Euro (20 Soles) für 3 Stunden).

Die Fahrt dauert etwa 2-3 Stunden (72 km). Vom Parkplatz aus ist es dann noch etwa 1 km, der in ca. 20 Minuten Gehzeit zurückgelegt werden muss. Der Entritt beträgt 12 Soles (ca. 3,- Euro) für Ausländer zuzüglich 4 Soles (ca. 1,- Euro) für die Kamera. Mit Studentenausweis gibt es eine Ermäsigung von 50% auf den Eintritt.

Von Chachapoyas aus fahren auch Busse und Colectivos nach Kuélap. Die genauen Zeiten können unter anderem im Hostal erfragt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist eine längere Wanderung von Tingo aus. Hier können auch Maultiere oder Pferde ausgeliehen werden. Von Chachapoyas nach Tingo dauert es mit dem Auto etwa zwei Stunden. Der Weg von Tingo nach Chachapoyas ist ca. 10 km lang und zum Teil sehr steil (Gehzeit etwa 3-4 Stunden, mit dem Pferd ca. 2 Stunden). Für die Exkursion sollten zwei Tage eingeplant werden. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Tingo – und nicht vergessen, den Busfahrer zu fragen, wann er am nächsten Tag nach Chachapoyas zurückfährt.

Kuélap ist bei weitem noch nicht so berühmt, wie Machu Picchu. Zudem sind die Ausgrabungsbedingungen schlecht und das Geld knapp. Auch die Anreise ist mühsam, da zunächst einige Stunden mit dem Auto gefahren werden muss und schließlich der letzte Kilometer nur zu Fuß oder mit dem Maultier zurückgelegt werden kann.

All das sind Gründe, weshalb Kuélap noch nicht von Touristen überrannt wird. Wer eine der überragendsten archäologischen Sehenswürdigkeiten Perus, Machu Picchu durchaus ebenbürtig, abseits der gängigen Touristenpfade bestaunen möchte, der sollte sich Kuélap nicht entgehen lassen.

Bilder von Kuélap

Die gagantische Außenmauer der Festungsanlage Kuélap.

Die gigantische Außenmauer der Festungsanlage Kuélap.

Die Zugänge sind so eng, dass immer nur eine Person durch konnte.

Die Zugänge sind so eng, dass immer nur eine Person durch konnte.

Blick auf die typischen Rundhäuser der Chachapoya.

Blick auf die typischen Rundhäuser der Chachapoya.

Noch sind die Ruinen nicht vollständig gereinigt.

Noch sind die Ruinen nicht vollständig gereinigt.

Das Rautenmuster rechts symbolisiert das Auge des Jaguars, Symbol des Krieges.

Das Rautenmuster rechts symbolisiert das Auge des Jaguars, Symbol des Krieges.

Der hntere Teil ist die Küche. Der niedrige Steinbogen ist innen hohl und diente nicht nur als Abtrennung, sondern vermutlich wurden darin Meerschweinchen gehalten. Vorne sind der Mühlstein und Aufbewahrungslöcher zu sehen.

Der niedrige Steinbogen ist innen hohl und diente nicht nur als Abtrennung, sondern vermutlich wurden darin Meerschweinchen gehalten. Vorne sind der Mühlstein und Aufbewahrungslöcher zu sehen.

Lamas alufen auf dem Gelände frei herum.

Lamas laufen auf dem Gelände frei herum.

Vom Aussichtsturm El Torreón eröffnet sich ein fantastischer Blick über die ganze Gegend.

Vom Aussichtsturm El Torreón eröffnet sich ein fantastischer Blick über die ganze Gegend.

An vielen Wänden finden sich in Stein gemeißelte Gesichter und Tiersymbole.

An vielen Wänden finden sich in Stein gemeißelte Gesichter und Tiersymbole.

Die Ausgrabungsarbeiten sind noch in vollem Gange.

Die Ausgrabungsarbeiten sind noch in vollem Gange.

Der erste Nachbau eines typischen Chachapoya-Hauses in Kuélap.

Der erste Nachbau eines typischen Chachapoya-Hauses in Kuélap.

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Datum: Sonntag, 7. September 2008 14:21
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