Südindien: Karnataka: Hampi (Vijayanagar)

Hampi in Karnataka

Hampi in Karnataka

Hampi (früher Vijayanagar) war einst die glänzende Hauptstadt des gleichnamigen hinduistischen Königreichs Vijayanagar. Seine Blütezeit hatte Hampi im 15. Jahrhundert. Heute sind von der einst prächtigen Haupstadt nur noch Ruinen übrig, zwischen denen sich einfache Hütten der Einheimischen, Guesthouses und Restaurants für Touristen zwängen, die dennoch ihren ganz eigenen Charme behalten haben. Hampi zieht mit seinem archaischen Flair und seiner magischen Atmosphäre Touristen aus Indien und der ganzen Welt an, was durchaus seine Berechtigung hat.

Geschichte von Vijayanagar (heutiges Hampi)

Die Prinzen und Brüder Harihara und Bukka waren Schatzmeister des unabängigen Reiches Kampila, welches als Vorgängerstaat Vijayanagars bezeichnet werden kann und nur 20 km östlich des heutigen Hampi lag. Als Schatzmeister haben die Brüder großen Einfluss erlangt. Als Kampila im Jahr 1327 eine große Niederlage gegen die muslimische Tughluq-Dynastie erlitt, gelangten die Brüder jedoch in Gefangenschaft. Hier gaben sie angeblich den hinduistschen Glauben auf und traten zum Islam über.

Durch ihren Übertritt zum Islam machten sie den muslimischen Herrscher Muhammad-bin-Tughluq Glauben, sie seien auch treue Gefolgsleute geworden. Als der nun muslimische Statthalter von Kampila wegen außer Kontrolle geratener Aufstände um Hilfe bat, schickte Muhammad-bin-Tughluq die beiden Brüder wieder nach Kampila, um den Statthalter zu unterstützen und die muslimische Herrschaft zu stärken.

Die Brüder taten, was ihnen befohlen wurde und schlugen als erfolgreiche Feldherren die Rebellionen nieder. Danach sagten sie sich jedoch von Delhi, von wo aus das Reich regiert wurde, los und gründeten ihr eigenes nun wieder hinduistisches unabhängiges Königreich, dessen Hauptstadt Vijayanagar wurde.

Die Brüder regierten ihr Reich mit wirtschaftlichem Geschick und administrativer Weitsicht, allerdings auch mit militärischer Härte, sodass das Reich zur führenden Regionalmacht Südindiens aufstieg. So soll das Reich unter der Regentschaft von Devaraya II. (1422 – 1446) von der Malabar-Küste im Westen bis Orissa im Osten und von der Südspitze Indiens bis nach Gulbarga im Norden gereicht haben.

Wie so oft war auch hier die Grundlage des enormen Erfolges ein ausgeklügeltes Bewässerungssytem, das sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Bewässerung der Felder sicherte. Der sagenumwobene Reichtum des damaligen Vijayanagar basierte auf dem Anbau von Baumwolle und dem Handel mt Edelsteinen und Gewürzen, gepaart mit gewaltiger militärischer Stärke. Der Reichtum fand in dem Bau prächtiger Paläste und Tempelanlagen Ausdruck.

Unter der Regentschaft von Krishnadeva Raya (1509 – 1529) erreichte das Reich Vijaynagar den Höhepunkt seiner Macht. Zu dieser Zeit sollen sogar Myanmar und Sri Lanka tributpflichtig gewesen sein.

Verhängnisvoll war jedoch der Plan des Herrschers Rama Raya (1542 – 1565), der die verfeindeten muslimischen Reiche der Region gegeneinander ausspielen wollte. Die Folge war, dass sich die Sultanate Bidar, Golgonda, Ahmadnagar und Bijapur gegen das letzte verbliebene Hindu-Reich im Süden, Vijayanagar, zusammenschlossen.

Am 15. Januar 1565 kam es zu einer gewaltigen Schlacht in der Nähe von Tangdi und Rakshasi, etwa 100 km nördlich der Hauptstadt Vijayanagar. Die Schlacht endete mit einer gewaltigen Niderlage für das Hindu-Reich und dem Tod des amtierenden Herrschers Rama Raya.

Drei Tage später erreichte die feindliche Armee schließlich auch die Hauptstadt Vjayanagar, das heutige Hampi. Der Großteil der Bewohner war bereits geflohen und was folgte war eine mehrere Wochen andauernde Plünderung und Brandschatzung. Zunächst wurden kübelweise Gold und Juwelen abtransportiert, danach folgte die Zerstörung der Tempel und Paläste.

Hampi heute

Viele Touristen planen für Hampi in Indien 2-3 Tage ein – und bleiben viel länger. Der archaisch anmutende Ort strahlt eine ganz eigene mystische Faszination aus und fesselt viele Menschen mit seiner einzigartigen Atmosphäre.

Hampi gehört seit 1986 zum UNESCO Weltkulturerbe. Die einzelnen Ruinen sind über 26 Quadratkilometer verteilt. Es ist nur schwer zu beurteilen, welche Ruinen sich besonders lohnen, da sich der Zauber Hampis vor allem in seiner Ganzheit entfaltet.

Sadhus, Pilger und die Frauen der Stadt waschen ihre farbenfrohen Gewänder im Tungabhadra-Fluss, die Landschaft ist von großen Granitfelsen durchsetzt, die in ihrer Monstrosität wirken wie aus Pappmaché. Grüne Oasen blitzen durch die Steingiganten hindurch und das Läuten der Tempelglocken ist allgegenwärtig.

Leider wird Hampi von Dezember bis Februar von lauten partysuchenden Travellern aus Goa heimgesucht, denen die Bedeutung Hampis als religiöse Stätte egal zu sein scheint. Nur spärlich bekleidet und mit lauter Musik treten sie das religiöse und kulturelle Erbe mit Füßen. Zu dieser Zeit häufen sich auch Diebstähle und Überfälle in dem sonst so friedlichen Dorf.

Wer Hampi also als einen Ort erleben will, bei dem das “ewige Indien” so nah zu sein scheint wie sonst nur selten, sollte dies Monate meiden.

Den Rest des Jahres präsentiert sich Hampi als ein Ort der Ruhe und der Mystik. Die einzelnen Guesthouses und Resturants liegen mitten in der Ruinenanlage verstreut und bieten zum Teil einen grandiosen Blick über den Fluss und das heilige Tal. Wer es gerne ruhig hat, der sollte seine Unterkunft auf der anderen, der nördlichen Seite des Flusses suchen. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass das Boot für die Übefahrt meist nur bis 18.00 Uhr fährt. Dennoch lohnt es sich, da man von dieser Seite, umgeben von Reisfeldern,  einen herrlichen Blick auf den Tungabhadra-Fluss und Hampi hat.

Um die wichtigsten Tempel und Ruinen zu besichtigen reichen 2 Tage, wer den Ort mit all seiner archaischen Kraft voll auf sich wirken lassen möchte, sollte jedoch mehr Zeit einplanen.

Bilder von Hampi (aufgenommen in der Trockenzeit)

Blick auf Hampi von der gegenüberliegenden Seite des Tungabhadra-Flusses.

Blick auf Hampi von der nördlichen Seite des Tungabhadra-Flusses.

Pilger, Sadhus und die Frauen des Dorfes waschen hier ihre farbenfrohe Kleidung.

Pilger, Sadhus und die Frauen des Dorfes waschen hier ihre farbenfrohe Kleidung.

Das Leben in Hampi vor dem Virupaksha-Tempel.

Das Leben in Hampi vor dem Virupaksha-Tempel.

Einer der Tempel-Elefanten im Virupaksha-Tempel segnet gegen bezahlung die Pilger.

Einer der Tempel-Elefanten im Virupaksha-Tempel segnet gegen Bezahlung die Pilger.

Das Leben auf den Straßen von Hampi.

Das Leben auf den Straßen von Hampi.

Viele Bewohner von Hampi haben sich ihre Wohnstätte in den zerfallenen Ruinen der einst prächtigen Hauptstadt eingerichtet.

Viele Bewohner von Hampi haben sich ihre Wohnstätte in den zerfallenen Ruinen (frühere Villen entlang des Hampi Bazaar, einer ehemaligen Prachtstraße) der einst prächtigen Hauptstadt eingerichtet.

Zwischen den gigantischen Felsen an den Ufern des Tugabadhra-Flusses in Hampi sind immer wieder kleine Tempel gebaut.

Zwischen den gigantischen Felsen an den Ufern des Tugabadhra-Flusses in Hampi sind immer wieder kleine Tempel gebaut.

Die Tempel und Paläste in Hampi sind twischen die riesigen Granitfelsen gebaut, die die Ruinen beinahe zu erschlagen scheinen.

Die Tempel und Paläste in Hampi sind zwischen die riesigen Granitfelsen gebaut, die die Ruinen beinahe zu erschlagen scheinen.

Blick über Hampi.

Blick über Hampi.

Blick vom Mantanga Hill auf den Achuta-Raya-Tempel.

Blick vom Mantanga Hill auf den Achuta-Raya-Tempel.

Blick vom Mantanga Hill auf die als Hampi Bazaar bezechnete ehemalige Prachtstraße.

Blick vom Mantanga Hill auf die als Hampi Bazaar bezeichnete ehemalige Prachtstraße.

Der Achuta-Raya-Tempal.

Der Achuta-Raya-Tempel.

Auf dem Weg am Tungabhadra-Fluss entlang.

Auf dem Weg entlang des Tungabhadra-Flusses.

Das Boot zum Übersetzen auf die andere Flusseite.

Das Boot zum Übersetzen auf die andere Flussseite.

Auch die neueren Häuser sind zum Teil einfach in die riesigen Felsbrocken hineingebaut.

Auch die neueren Häuser sind zum Teil einfach in die riesigen Felsbrocken hineingebaut.

Auf der nördlichen Seite des Tungabhadra-Flusses gibt es meist gemütliche kleine Bungalows für wenig Geld.

Auf der nördlichen Seite des Tungabhadra-Flusses gibt es meist gemütliche kleine Bungalows für wenig Geld.

Blick auf die Reisfelder auf der anderen seite des Flusses bei Sonnenuntergang.

Blick auf die Reisfelder auf der anderen Seite des Flusses bei Sonnenuntergang.

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Datum: Sonntag, 19. Oktober 2008 21:45
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